Apfelzeit

New York ist der Wahnsinn, New York ist die Metropole schlechthin. Wer sagt das schon nicht? Jährlich strömen Millionen von Touristen in die heimliche Hauptstadt der USA, die an Sehenswürdigkeit nicht zu knapp ist. Obwohl das Leben hier im Grunde günstiger ist als in der Schweiz, zieht der Big Apple seinen Besuchern in Windeseile die Dollars aus den Taschen. Es gibt immer etwas zu sehen, zu konsumieren, Tag und Nacht, 24 Stunden lang.

Wer das Glück hat wie ich, der kennt jemanden inmitten dieses riesigen Apfels, genauer gesagt im Financial District, beim World Trade Center. Stadtführungen, kulinarische Leckerbissen und trendige Bars sind dabei inklusive, ein Bettsofa ebenso – obwohl, wer hat in New York schon Zeit für Schlaf?

Selbst in der Nacht des Labor Days wummern dumpfe Bässe in versteckten Clubs, etwa im Kellergeschoss eines alten Hochhauses oder im 17. und obersten Stock eines schicken Hotels. Wer hier im PH-D konsumiert, darf sich ob der Preisliste nicht wundern. Da kostet ein Cocktail schnell einmal 18 Dollars, das Bier mindestens 10. Wer in der Karte weiter hinten blättert, findet erlesene Weine und die grössten Champagner-Flaschen der Stadt. Wer sich letztere leisten will, muss einige Scheine hinblättern. Die Preise steigen von 200-300 Dollars bis hin zu sagenhaften 10’000 Dollars (neun Liter bester Wein). Immerhin: Und wer sich eine solche Champus-Flasche leistet, steht immerhin für eine Minute im Zentrum des Interesses: Mit Pauken und Trompeten, Harlem Shake und Sprüh-Fackeln bringt das Personal den guten Tropfen zu Tisch.

DSCN9954

Neben den Einheimischen sind nachts auch viele Ausländer unterwegs, oder Partygänger aus dem nahen Brooklyn und aus New Jersey, dem hässlichen Entlein New Yorks. Nicht genug, dass der Ort immer im Schatten des Big Apples steht, die Manhatter machen sich einen Spass daraus, ihre weniger wohlhabenden Nachbarn zu hänseln. Herrschte in einer Bar oder in einem Tanzclub schlechte Stimmung, tun sie dies mit der einfachen Begründung ab, es sei zu sehr „B&D“ gewesen. B&D steht für „Bridges & Tunnels“ und damit für alle Besucher, die für Manhatten den East- oder Hudson-River überqueren müssen.

Ein netter Komfort wartet auch auf der Toilette. Diese wirkt weniger wie ein simpler Verrichtungsraum, vielmehr als aufgepimpte Wohlfühl-Oase. Gedimmtes Licht, Kerzenschein, die Fläche beim Lavabo ist übersät mit netten Dingen wie Mango-Duftseife, Haarspray, Schokoriegel oder Kaugummis. Ein wie aus dem Ei gepellter Bediensteter steht jederzeit bereit, um die feuchten Hände mit einem weichen Tuch abzutrocknen. Meine Verwunderung teilten meine lokalen Begleiter nicht. An Orten wie diesem sei dies absolut üblich. So scheint es mit allem hier zu sein. Echte New Yorker bringt so schnell nichts aus der Fassung.